Thomas Mann


Im Herzen der deutschen Hauptstadt, direkt am Ufer der Spree,
wächst die „Straße der Erinnerung“. Mit Thomas Mann wird dort nun bereits die vierte aus Deutschland stammende Persönlichkeit mit einem Denkmal gewürdigt, weitere werden folgen. Im Rahmen ihrer Stiftungsziele betrachtet es die Ernst Freiberger-Stiftung als eine ihrer vordringlichen Aufgaben, an diesem historischen Ort an Persönlichkeiten zu erinnern, die in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts auf unterschiedlichste Art für Deutschland, teilweise für die Menschheit überhaupt, Großes geleistet haben. Es sind die „Helden ohne Degen“, denen hier im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal gesetzt wird. Es sind Persönlichkeiten, die nachweisen, dass es im vergangenen Jahrhundert neben dem Deutschland der Nazi-Diktatur auch ein anderes gab: das der Erfinder, der Literaten, der um Versöhnung zwischen den Völkern Bemühten und nicht zuletzt das des Widerstandes gegen die menschenverachtende NS-Herrschaft.

Das vierte Denkmal gilt nun Thomas Mann, einer Persönlichkeit mit vielen Facetten, von denen jede einzelne dieser Ehrung wert wäre. Thomas Mann ist einer der bedeutendsten Schriftsteller, die Deutschland je hervor gebracht hat und unbestritten der größte Romancier des 20. Jahrhunderts. 1895 als Kaufmanns- und Senatorensohn geboren, erwies er sich zunächst als schlechter Schüler, der sogar zwei Mal sitzen blieb, um dann schließlich Schriftsteller von Weltruhm zu werden und 1929 den Nobelpreis für Literatur zu erhalten. Vieles, was Thomas Mann tat, mag im Protest gegen die, was man heute „Establishment“ nennen würde, strenge Disziplin des Bürgertums seine Wurzeln haben. Insofern war Thomas Mann sehr früh ein politischer Mensch, der sich in der Weimarer Republik schon gegen den aufkeimenden Nationalsozialismus wandte und mit seiner Kritik ins Visier der Nationalsozialisten und deren allmächtiger Gestapo geriet.

Sein Werk begriff Thomas Mann als ein Bemühen im Zeichen einer „höheren Humanität“. Er verstand darunter eine Verfassung des Menschen, die einen Ausgleich der Gegensätze meistert. Die Idee der Mitte wurde bei Thomas Mann zur Idee des Lebens überhaupt, trotz aller Polaritäten, die sein Werk prägen. Er selbst sagte anlässlich seines 50. Geburtstages, wenn er im Hinblick auf den Nachruhm seines Werkes einen Wunsch habe, dann sei es der, man möge von ihm sagen, „dass es lebensfreundlich war, obwohl es vom Tode weiß“. Zweierlei Lebensfreundlichkeiten gebe es: „Eine, die vom Tode nichts weiß; die ist recht einfältig und robust, und eine andere, die von ihm weiß, und nur diese, meine ich, hat vollen geistigen Wert. Sie ist die Lebensfreundlichkeit der Künstler, Dichter und Schriftsteller.“

(Vorwort des Stiftungsgründers, Ernst Freiberger, für das Buch „Thomas Mann – Das Deutsche und die Deutschen)

Eine Publikation der Ernst Freiberger-Stiftung, erschienen im be.bra-Wissenschaftsverlag

Mit Beiträgen von:

Antje Korsmeier
Der Herr der Gegensätze. Ein biographisches Porträt Thomas Manns

Alexander Kissler
„Meine Bücher sind verzweifelt deutsch“ – Thomas Mann, das Deutsche und die Deutschen

Volker Koop
Thomas Mann und der Raubzug der Nazis

Helmut Engel
Die Ausbürgerung Thomas Manns


Gebunden, 187 Seiten, Berlin 2007
ISBN 978-3-937233-39-0
Zu beziehen über den Buchhandel oder direkt von be.bra Verlag, Berlin.