2. Ameranger Disput 2006:
Religion - Fluch oder Segen der Menschheit?
Interreligiöser Dialog - heute mehr denn je notwendig
Gewöhnlich wird gesagt, Religion an sich sei gut, sie sei ein „Segen“. Religion aber in der Ausübung durch die Gläubigen sei politisch missbraucht, korrumpiert und ökonomischen wie psychosozialen Interessen unterworfen, und so werde sie zum „Fluch“. Doch ist angesichts der bekannten Geschichte der Religionen diese simple Aufspaltung haltbar? Haben Religionen Potentiale, die destruktiv sind und Gewaltbereitschaft fördern? Zugleich zeichnet sich in und durch Religionen die Befreiungsgeschichte des Menschen aus selbstverschuldeter Unmündigkeit ab. Ängste vor naturhaften und psychischen Phänomenen werden religiös rituell bewältigt.
Die Entdeckung der unbedingten Liebe Gottes begründet die Freiheit der menschlichen Person, die Geschöpflichkeit jedes Menschen begründet die Würde jedes einzelnen Lebewesens. Wie können diese ambivalenten, also mehrdeutigen Potentiale verstanden und so bewältigt werden, dass unter den Bedingungen des Zusammenwachsens der Menschheit destruktive Kräfte eingebunden und womöglich gezähmt werden?
Namhafte Religionswissenschaftler und Vertreter verschiedener Religionen haben sich 2006 diesen Fragen im 2. Ameranger Disput der Ernst Freiberger-Stiftung gewidmet. Er stand unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog. Die in dem Buch „ Religion - Segen oder Fluch der Menschheit“ gesammelten Beiträge zu religiösen und theologischen Grundfragen und aktuellen Themen, zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Kulturen stellen selbst ein Modell interreligiösen Dialogs dar, der heute mehr denn je nötig ist. Herausgeber des Bandes ist der bekannte Religionswissenschaftler Prof. Dr. Michael von Brück von der Ludwig-Maximilians-Universität München.
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